Auszubildende lernen den Alltag im Kinderheim Rodt in Loßburg kennen

„Einfach mal etwas ganz anderes sehen.“ – nach diesem Motto wurden auch dieses Jahr drei Auszubildende der Firma Hommel+Keller Präzisionswerkzeuge GmbH in das Kinderheim Rodt nach Loßburg eingeladen, um dort für eine Woche den Kindern und Betreuern zu helfen. Die Vorstellung, dass sich Wirtschaftlichkeit und soziales Engagement gegenseitig einschränken, wird von Hommel+Keller durch Projekte wie dieses widerlegt. „Es ist wichtig, dass unsere Auszubildenden nicht nur technische und berufliche Fähigkeiten erlernen, sondern auch grundlegende soziale Aspekte durch die Berufsausbildung erlangen“, so Personalleiterin Annika Villing.

Schon im vergangenen Jahr wurde einigen Auszubildenden sowohl aus dem technischen als auch aus dem kaufmännischen Bereich dieses Projekt angeboten. „Es ist schön zu sehen, dass sich auch die Industrie für solche sozialen Einrichtungen und Projekte interessiert“ erklärt der Heimleiter Edwin Benner.

Mit hoher Motivation aber auch gewisser Skepsis machten sich schließlich drei Auszubildende vom 20. bis 23. Juni täglich auf den Weg nach Loßburg, um in den einzelnen Wohngruppen nicht nur die Betreuer zu unterstützen, sondern auch den Umgang mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen kennen zu lernen.

Aufgeteilt auf drei Wohngruppen des Kinderheims gingen die Erfahrungen der Auszubildenden weit auseinander. Zwei der Wohngruppen waren für Kinder im Alter von 7 – 14 Jahren, bei welchen sich das Aufgabenfeld der Betreuer und schließlich auch der Azubis über Hausaufgabenhilfe, sportliche Aktivitäten wie Fußball aber auch das Schlichten von Streitigkeiten und dem Übermitteln grundlegender sozialer Verhaltensregeln erstreckt. Die dritte Wohngruppe war für Jugendliche im Alter von 14 – 18 Jahren. Hier lag der Hauptfokus darauf, die Jugendlichen selbstständig zu machen und darauf, für sie eine Ausbildung zu finden und auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Auch hier werden die Betreuer mit Streitigkeiten und Problemen konfrontiert, welche jedoch sehr von denen der anderen beiden Gruppen abweichen. „In dieser Woche konnte ich viele verschiedene Eindrücke sammeln und finde, dass mehr Ausbildungsbetriebe ihren Azubis so ein tolles Projekt bieten sollten“, so Andreas Haller, Azubi bei Hommel+Keller.

Mindestens genauso verschieden sind die Kinder und Jugendlichen selbst. „Der Grund für eine Aufnahme in unserem Heim kann vielfältig sein“, so Heimleiter Herr Benner. „Bei den Kindern handelt es sich oft um Personen mit schweren familiären Problemen oder aber schlimmen Schicksalsschlägen, die sie erlebt haben.“ Umso größer war die Freude unserer Azubis, wie offen und fröhlich die Kinder größtenteils waren. „Es ist erstaunlich wie offen die Kinder uns gegenüber sind; auch im Hinblick auf ihre Vergangenheit.“, so Auszubildender Matthias Hordt.

Einen sozialen Beruf vorstellen konnte sich von den drei Auszubildenden jedoch keiner. Die Gründe hierfür liegen hauptsächlich in der hohen psychischen Belastung und den Arbeitszeiten. „Es ist allerdings schön zu sehen, dass es so viele Helfer und Pädagogen gibt, die dies in Kauf nehmen, um den Kindern und Jugendlichen zu helfen und sie im Idealfall auf eine Rückkehr in die Familien oder das Arbeitsleben vorbereiten“, berichtet unser Auszubildender Marius Hugger „diesen Menschen möchte ich meinen vollen Respekt aussprechen.“